Am 09. Juni 2015 war Univ.-Prof. MMag. Dr. Gottfried Haber, Donau-Universität Krems, Vizepräsident des Fiskalrat und Generalrat der OeNB, zu Gast beim Financial Community Club.

Die noch in Diskussion stehende Steuerreform mit der geplanten Entlastung im Einkommenssteuerbereich ist für Gottfried Haber wichtig, um neue Wachstumsimpulse zu setzen. Jedoch vermisst er die dringend benötigte Strukturreform. Gerade in Überschneidungen zwischen Bund-Länderkompetenzen sieht der Wirtschaftsforscher viel Potenzial, das von der Politik schleunigst gehoben werden muss. Um den Finanzplatz Österreich macht er sich vor allem aufgrund der Causa Hypo Sorgen. Das Schuldenmoratorium für die Heta, der Abwicklungseinheit für die ursprüngliche Hypo-Alpe-Adria Bank, könnte zu einer größeren Belastungsprobe für Österreich führen.

Neben den bestimmenden nationalen Themen wurde auch über die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) gesprochen. Hier ist laut Haber das Pulver bereits verschossen. Die Zinsen befinden sich nahe der Nulllinie. Dies nimmt der Notenbank jeglichen Spielraum zu reagieren. Einem Austritt Griechenlands kann der Wissenschaftler nichts abgewinnen. Dies würde aus seiner Sicht die Währungsunion gefährden und könnte unabsehbare Schockwellen auslösen.

Darüber hinaus wurde auch noch über ein europäisches Zukunftsthema diskutiert, die Kapitalmarktunion. Darin sieht Haber die Möglichkeit, viele nationale Kapitalmarkthürden zu überspringen. Dazu zählen ein erleichterter Zugang zum Kapitalmarkt für kleine und mittlere Unternehmen, mögliche steuerrechtliche Anreize wie Steuerfreibeträge oder eine Gleichbehandlung einer Besteuerung von Eigen- und Fremdkapital. Das Basteln an einer Finanztransaktionssteuer in nur einzelnen EU-Mitgliedsstaaten ist für Haber kontraproduktiv. Freie Kapitalmärkte und gleiche Rahmenbedingungen sind für ihn ein Kernthema der Europäischen Union. Abschließend plädiert der Wirtschaftsforscher für mehr Finanzbildung und heißt die Financial-Literacy-Initiativen der Banken und der Wiener Börse willkommen. Haber betont, dass Aktien ein realwirtschaftliches Instrument sind – viel stärker als Anleihen – und eine von wenigen renditebringenden Veranlagungsalternativen. Über Chancen und Risiken muss gleichermaßen informiert werden.

Im Anschluss an die Diskussion konnten die Gäste neben Drinks und kleinen Häppchen, den lauen Sommerabend sowie den Ausblick auf der Terrasse des 25hours genießen.